Welpenspielgruppen – Sinn oder Unsinn?



Jahaaa, ein beliebtes Angebot vieler Hundeschulen: Welpenspielgruppen.
Putzig, oder? Da geht einem das Herz auf. Da rennen oft mehr als zehn unterschiedlich große Fellknäuel durch die Gegend, kugeln durch die Gegend, toben, flitzen, spielen, knurren, bellen und lernen von der Pieke auf wie ordentliche Sozialkontakte mit anderen Hunden funktionieren. Toll! Oder? 


 Oh ja, ich habe vergessen, dann gibt’s da manchmal noch einen total sozialen erwachsenen Hund, der unter dem jungen Gemüse ein bissi für Zucht und Ordnung sorgt und guckt, dass alles schön gesittet abläuft.
Und die Menschen (und der Trainer) stehen daneben, rufen verzückte Aaahs und Ohhhhs und kriegen einen Zuckerschock nach dem anderen.

 

Kommt ein Welpe zu seinem Menschen gelaufen, meldet sich plötzlich der kaffeetrinkende Trainer zu Wort und rät nicht selten, man solle jetzt bloß keinen Fehler machen und den Welpen sofort wieder zurückschicken und ignorieren und auf keinen Fall hochnehmen, sonst lernte der nie mit anderen Hunden umzugehen.

 

Da die Menschen ja ordentlich beobachten, fallen ihnen natürlich auch gleich gewisse Dinge auf. Dass der ein oder andere Pupsi aber schon ganz schön dominant ist. Oder frühreif. Oder unterwürfig.
Nicht selten bemerkt man, dass die Menschen der Anwärter auf die „Rudelführung“ so ein ganz kleines bisschen die Brust schwellen und dass die mit den zurückhaltenden, ängstlichen Hunden ein bisschen enttäuscht aus der Wäsche gucken.

 

Nach einer Stunde Freilauf sind die kleinen Welpis dann so fertig, dass die für den Rest des Tages nicht mehr Piep sagen. Manche flippen jetzt aber auch erst recht aus und sehen gar nicht ein, warum sie nun an die Leine genommen werden und der Spaß vorbei sein soll, andere toben dann Zuhause noch mal ordentlich über Tisch und Bänke und scheinen nach Stunden irgendwie immer noch nicht den Hals voll genug gekriegt zu haben.

 

MEIN DRINGENDER TIPP: Wenn es tatsächlich so abläuft, dann nehmt euren Hund und die Beine in die Hand.
Warum? Weil sowas einfach total kontraproduktiv ist!

 

 

Geregeltes Spiel und verschiedene Altersklassen

Es gibt bestimmt auch gut geführte Welpenspielgruppen, in denen es tatsächlich nicht darum geht mit sehr wenig Aufwand den Leuten die Kohle aus der Tasche zu ziehen, sondern darum, den Hunden einen „netten“ Umgang miteinander beizubringen. Solche Gruppen haben ganz sicher nicht mehr als drei oder maximal vier Welpen, sind im besten Falle altersgemischte Gruppen und werden von einem kompetenten Trainer geleitet, der die Menschen u. a. in der Körpersprache der Hunde schult.
Denn das, was der Laienblick interpretiert und was er niedlich findet, ist ganz oft schon lange kein Spiel mehr.

 

Eine Stunde Freilauf ist ein No Go!
Gutes Spiel dauert häufig nur wenige Minuten. Spielen ist sehr anstrengend und der Grat zwischen Spiel und Ernst ist sehr schmal! Ein Spiel kann schnell kippen und ein Trainer sollte das erkennen, bevor es soweit ist und das Spiel auf der Stelle unterbrechen. Sozialverträgliches Spiel muss erlernt werden, das ist keine angeborene Fähigkeit! Deswegen machen auch reine Welpenspielgruppen wenig Sinn. Gemischte Altersklassen wären da sehr viel lehrreicher für die Jungspunte. Denn was soll ein Welpe von einem anderen Welpen lernen, die können doch beide noch nix?

 

Viele Pausen und Entspannung

Wenige gute Minuten Spiel sollten sich mit langen Pausen abwechseln. Die Welpen sollten lernen, dass nicht nur getobt werden kann, wenn andere Hunde drum herum sind, sondern dass man auch Ruhen kann, wenn andere Hunde in Sichtweite sind.

 

Damit stellt man jetzt schon die Weichen, ob ein Hund später regelmässig ausrastet, wenn er andere Hunde sieht oder ob er es auch gut aushalten kann, mal einen Hund zu erblicken, ohne gleich hingehen zu müssen.

 

Der Trainer sollte in der Lage sein, Mobbing zu erkennen UND vor allem zu unterbinden! Denn sowohl der gemobbte Welpe wird dabei eine Menge lernen als auch der mobbende – und zwar nichts Gutes. Der gemobbte wird ängstlicher werden oder lernen sich aggressiv zu verteidigen, der mobbende lernt mit seiner unsozialen Art zum Erfolg zu kommen und wird sein Verhalten verfestigen.


Es ist jedoch gerade in dieser Zeit enorm wichtig, dass die Kleinen möglichst viele gute Erfahrungen machen. Eine hohe Anzahl von Sozialkontakten ist überhaupt nicht nötig. Auch hier gilt wie so häufig: Qualität statt Quantität! Lieber zwei oder drei gute Kontakte als nur ein einziger schlechter. Dieser eine schlechte Kontakt kann den Welpen schon so traumatisieren, dass er wenig wünschenswerte Verhaltensweisen entwickeln wird, um sich später andere Hunde vom Hals zu halten.

 

Schlechte Erfahrungen kommen früh genug, die lassen sich fast nicht vermeiden. Hat er aber schon vorher viele gute gesammelt, stehen die Chancen gut, dass er mit dieser einen schlechten eher klar kommen wird. 

 

 

Erregungskontrolle

Die Welpen sollten in der Spielgruppe niemals so lange „spielen“ dürfen, bis sie überdrehen. Wenn ein Hund danach erst recht austickt, dann kann man ziemlich sicher sein, dass das Pensum viel zu viel war und der Kleine von sich aus gar nicht herunterkommen kann. Oft wird das fehlinterpretiert mit „Der ist ja gar nicht kaputt zu kriegen“. Falsch! Nach müde kommt doof. Das ist bei unseren Kinder so, und bei unseren Hunden erst recht. 
Und ganz häufig ist die hohe Erregung der Hunde daran schuld, dass sie überdrehen, nicht herunterkommen, zappelig sind, bellen oder dass sie aufreiten und anfangen, andere zu hetzen und zu mobben. Mit Dominanz und Frühentwicklung hat das nichts zu tun.

 

Wenn ein Spiel nicht ausgeglichen ist, ist es definitiv KEIN Spiel mehr. Der Trainer hat die Aufgabe, sorgsam darauf zu achten, dass ein Spiel ein Spiel bleibt. Und er sollte den Blick der Menschen darauf sensibilisieren, damit die wissen, wann sie bei Begegnungen im Alltag eingreifen sollten und wann nicht.

 

Schutz bieten

Wenn ein Welpe Schutz bei seinem Menschen sucht, sollte ihm dieser auf jeden Fall gewährt werden! Möchte er dann wieder ins Spiel – prima. Möchte er lieber aus der Ferne zuschauen – auch prima! Denn auch wer zuschaut lernt eine Menge – und zwar ruhig zu bleiben und zuzuschauen. Eine Eigenschaft, die einem später sehr entgegen kommen wird!

 

Der Mensch sollte sich nicht dazu verleiten lassen, Hunde im Geiste in Gewinner und Verlierer zu unterteilen. Schließlich geht es hier nicht um eine Competition! Es gibt mutige Hunde und ängstliche. Es gibt agile und weniger agile Hunde. Es gibt solche, die sich gerne mitten im Getümmel tümmeln und solche, die lieber am Rand zuschauen. Es gibt spielverrückte und jene, die spielen für überbewertet halten.

Jeder Hund ist individuell und mit ganz eigenen Vorlieben ausgestattet – wie die Menschen übrigens auch. Man sollte keinen Welpen zu irgendetwas zwingen und schon gar nicht, wenn er ängstlich ist.

 

Echtes Spiel ist ausgeglichen

Man sollte wirklich nur ein Ziel im Auge haben:
Die Begegnungen sollen freundlich und ausgeglichen sein. Der Welpe soll lernen, was es heißt, sich einem anderen Hund höflich zu nähern und mit ihm so zu spielen, dass der andere dies als Spiel empfindet.


Es darf hierbei kein Welpe unter die Räder kommen! Sprüche wie „Die regeln das schon unter sich“ sprechen deutlich gegen die Qualifikationen des Trainers und sollten mit sofortiger Kündigung des Kurses quittiert werden.

Denn natürlich regeln die Hunde das unter sich. Aber immer auf Kosten des Schwächeren – mit ungeahnten Spätfolgen.