Wie finde ich eine gute Hundeschule? (Teil 1)



Hundeschulen gibt’s wie Sand am Meer. Und jede vertritt ihre eigene Philosophie, die teilweise einer solch abstrusen Logik folgt, dass man sich wirklich fragen muss, wo da noch der gesunde Menschenverstand bleibt. 

  

Die einen konditionieren nicht, sondern kommunizieren, andere machen alles ohne Worte, ohne Strafe, ohne Leckerlis, andere verlangen vom Menschen, sich wie ein Hund zu benehmen, um mit ihm auf Augenhöhe zu kommunizieren, andere lassen ihre Energie strömen, die meisten behaupten, gewaltfrei zu arbeiten, andere werben mit kostenlosen Welpengruppen, Erfolgsgarantien nach 5 Minuten Training oder ihrer Jahrhunderte langen Hundeerfahrung.

 

Und der Kunde hat die Qual der Wahl und soll nun für sich und seinen Hund das Beste heraussuchen. Keine leichte Aufgabe!

 

Vor allem nicht, wenn das Terrain neu ist und der erste Hund ins Leben tritt. Dann gehen Viele häufig recht blauäugig zur nächsten Hundeschule im Ort oder zum Verein, weil es da so günstig ist, und wähnen sich im festen Glauben, dass das, was dort gelehrt wird, State of the Art sein muss, denn „der Trainer hat’s ja schließlich studiert und muss es wissen“. Oder etwa nicht?

 

Leider ist das nicht so, trotz mittlerweile staatlicher Überprüfung der Fähigkeiten deutscher Hundetrainer. Die Qualifikationen von Hundetrainern sind immer noch dermaßen unterschiedlich, dass ein genauerer Blick vor der Vertragsunterschrift oder noch bevor der Trainer bereits am eigenen Hund herumschraubt ein absolutes MUST ist!

 

Worauf sollte man also achten bei der Suche nach der richtigen Hundeschule? Da gibt es im Wesentlichen drei Bereiche, auf die man sein Augenmerk richten kann, um herauszufinden, ob die Hundeschule auch wirklich etwas taugt:

 

Schritt 1: Wie präsentiert sich der Trainer auf seiner Webpage?

Schritt 2: Welchen Eindruck macht der Trainer im persönlichen Kontakt?

Schritt 3: Wie läuft das praktische Training ab?

 

Schritt 1: Wie präsentiert sich der Trainer auf seiner Webpage?

Mich interessieren hier vor allem Dinge wie:

 

Welche Ausbildung hat der Trainer genossen? Hat er überhaupt eine Ausbildung? Welche Weiterbildungen hat er besucht und bildet er sich überhaupt weiter fort? Bei welchen Fachleuten hat er Seminare, Workshops etc. besucht? Ist er bereit, Geld in modernes Wissen zu investieren, das sich natürlich mit zunehmenden Erkenntnissen aus verschiedenen wissenschaftlichen Zweigen immer weiter fort entwickelt?

Wenn sich keinerlei Informationen auf der Webpage hierzu finden, würde mich das in der Regel schon sehr misstrauisch stimmen. Verweise auf jahrelange Berufserfahrung sind KEIN Qualitätsmerkmal. Man kann  - traurig aber wahr - auch 30 Jahre lang alles falsch machen.

 

Welcher Trainingsmethode folgt der Trainer? Die Trainingsmethode sollte auf der Webpage klar und deutlich beschrieben werden. Sie sollte auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, modern sein und Schlüsselwörter wie „Dominanz“, „Rudelführung“, „Chef sein“ etc. ausschließen. Papier ist geduldig und durch sprachliches Geschick kann man sehr viel schönreden und verschleiern.

Wieviel Essenz bleibt also unterm Strich übrig? Finden sich womöglich nur Worthülsen oder handelt es sich um handfeste Informationen?

 

Trainingsgarantien sind mit ALLERGRÖSSTEM Misstrauen zu begegnen: "Nur ein Training nötig“, „Geldzurückgarantie“, „Training in drei Minuten“ etc. deuten nicht auf eine seröse Hundeschule hin!

Wer lernen will, braucht Zeit. Zu Lernendes muss aufgebaut, verarbeitet und wiederholt werden, bis es sich im Gehirn langfristig setzen kann. Training ist Fleißarbeit und der Erfolg eines jeden Trainings ist abhängig von der Umsetzung und Konsequenz des einzelnen Hundehalters. Wirbt jemand mit „3-Minuten-Trainings“ stecken garantiert aversive (sprich gewaltvolle) Methoden dahinter. Heißt, der Hund wird so eingeschüchtert und traumatisiert, dass er ein bestimmtes Verhalten aus Angst (zunächst) nicht mehr zeigt.

Eine höchst gefährliche Methode, die mit Lernen nicht wirklich viel zu tun hat und alles andere als fair ist!

Wir erinnern uns: Kinder lernen auch nicht schneller Rechnen, wenn wir ihnen dabei regelmäßig auf den Hinterkopf hauen. Sie lernen über gut vorgebrachte und sinnvoll aufbereitete Erklärungen und Darstellungen und ein pädagogisch sinnvolles Konzept. Und ja, man kann das durchaus vergleichen! 

Wie teuer sind die Kurse? Die Frage nach den Kosten ist für die meisten Hundebesitzer natürlich sehr wichtig. Leider gehen viele davon aus, dass der Hund ja unter „Hobby“ zu verbuchen ist, die Kurse also nach Möglichkeit wenig kosten sollten. Man sollte aber wissen: Hunde kosten Geld, und das nicht nur in der Anschaffung!

Gute Trainer, die wissen, was sie tun, haben in der Regel für viel Geld eine Ausbildung hingeblättert und müssen oftmals von dem leben, was für andere „Hobby“ bedeutet. Und auch in dieser Branche gilt: Qualität hat ihren Preis!

Wer Geld in einen guten Trainer investiert, wird dies in der Regel nicht bereuen. So manch einer hat aber schon bereut, beim Training am falschen Ende gespart zu haben, denn die Folgen eines schlechten Trainings sind oftmals eklatant. Man sollte also tunlichst die Hände weglassen von kostenlosen oder Schnäppchen-Kursen. Tatsächlich ist hier nur eines zu erwarten: Schnee von gestern. Uralter überlieferter Irrglaube, wie Hunde erzogen werden sollten. Es mag Ausnahmen geben, aber diese bleiben Ausnahmen!

Wenn man mal einen Blick auf die schicken Trainingsanlagen der Hundevereine wirft und zuschaut, wie dort gearbeitet, in welcher Lautstärke dort mit Hunden „kommuniziert“ wird und wie hoch erregt diese Hunde sich in der Regel auf dem Platz bewegen, rollen sich zumindest mir fast immer die Fußnägel nach oben.

 

Wie groß sind die Gruppenkurse? Gibt es Co-Trainer?

Je größer der Kurs, desto weniger Zeit hat der Trainer für die individuelle Begleitung der einzelnen Teams und desto unruhiger wird es in der Gruppe zugehen. Konzentriertes, effektives Trainieren ist in großen Gruppen nicht möglich. 

Eine Gruppe sollte max. aus nicht mehr als 5 Mensch-Hund-Teams bestehen oder dann von kompetenten Co-Trainern begleitet werden. Alles andere riecht nach Abzocke.

 

Welche Kurse werden angeboten? Finden wir hier Kurse wie „Grundgehorsam“, „Obedience“, „Unterordnung“, „Schutzdienst“ und wird von „Kommandos“ gesprochen oder werden eher Kurse wie „Basistraining“, „Junghundetraining“, „Beschäftigung“, „Verhaltensarbeit“, „Fun-Mantrail“ oder „Social Walk“ angeboten und den Hunden „Signale“ vermittelt?

Es hört sich dumm an, ist aber ganz häufig so: Das Vokabular einer Hundeschule lässt auf eine bestimmte Philosophie schließen. Je  militärischer die Ausdrucksweise, desto veralteter und alarmierender ist meistens der Umgang mit den Hunden. 


 

Die Webpage sollte Hand und Fuß haben, gut strukturiert und übersichtlich alle Informationen zur Verfügung stellen, die nötig sind, um sich ein Bild darüber zu machen, was einen dort erwartet. Man kann sich auch fragen, „lebt“ die Hundeschulseite? Wird sie gepflegt, aktualisiert, werden dort regelmäßig Neuigkeiten zur Verfügung gestellt oder handelt es sich um Seiten mit starren Inhalten und einem Veranstaltungshinweis aus dem Jahr 2012?

In der Art, wie sich die Webpage präsentiert, erkennt man häufig auch die Ernsthaftigkeit, mit der eine Hundeschule betrieben wird. Die Webpage ist die Visitenkarte, das Aushängeschild einer professionellen Hundeschule.

 

Gibt es Fotos von Trainings und Kursen? Was sieht man auf den Fotos? Wieviele Hunde tummeln sich dort? Welcher Art sind die Leinen: Eher kurz oder sind Schleppleinen im Einsatz? Was trägt der Hund: Halsband oder Geschirr?

Sehe ich persönlich Fotos mit eng nebeneinander aufgereihten Hunden, die alle mit einem Halsband und straff gezogenen Leinen gesichert sind, wäre mein Urteil gegen die Hundeschule bereits gefällt.

Hier ist der Schein wichtiger als das Sein.

 

Hat man nun eine Hundeschule gefunden, die Online einen guten Eindruck hinterlässt, wird man vermutlich in Kontakt mit dem Trainer treten. Jetzt zeigt sich, wieviel der Trainer vom Umgang mit Kunden versteht.

 

"Schritt 2: Welchen Eindruck macht der Trainer im persönlichen Kontakt?" wird in Teil 2 beschrieben. 

Im letzten Teil schauen wir uns "Schritt 3: Wie läuft das praktische Training ab?" genauer an. 

 

>>> Teil 2